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Vom 16.05. bis 12.09.04 unternahm ich meine bisher größte Radtour. Mein Ziel war es, Europa von Süden nach Norden zu durchqueren und wieder zurück nach Heilbronn zu radeln.


Von Faro aus ging es durch Portugal, Zentralspanien, über die Pyrenäen, durch Frankreich,
England, Schottland, die Shettland Inseln und Norwegen bis ans Nordkap.
Zurück ging es über Finnland, die Aaland Inseln, Schweden und Ostdeutschland.


Begleitet wurde ich bis Aberdeen (Schottland) von Martin Trabold und später in Norwegen
(Trondheim - Tromsö) von meiner Freundin Nicole.
Insgesamt war ich 4 Monate unterwegs und habe 11000 km zurückgelegt.

 16 Mai 2004, Faro (Portugal)

Nach einigen Stunden Verspätung erreichen Martin und ich gegen 19 Uhr unseren Ausgangspunkt Faro.
Auf dem Flughafen herrscht ein hektisches Treiben und wir sind froh als wir unsere Fahrräder und alle unsere Gepäcktaschen zusammen haben.
Als wir endlich unsere Räder zusammengebaut und beladen haben und die Ankunfthalle
verlassen ist draußen schon die Dunkelheit eingebrochen.
Auf einer stark befahrenen Straße radeln wir ins Zentrum von Faro. Hier steppt der Bär, die Straßen sind verstopft von hupenden Autos und Fußballfans.
"What´s going on?" frage ich einen Fan mit Trikot und Fahne.
Er gibt mir zu verstehen, dass hier die Meisterschaft von Benfica gefeiert wird.
Unsere erste Nacht verbringen wir in der wirklich sehr gemütlichen Jugendherberge in Faro.

 17.5. - 21.5.04, Faro - Portalegre, 520 km


Nachdem wir uns bei bestem Wetter an der Algarve-Küste eingerollt haben verlassen wir bei Portimao die Küste und radeln ins Hinterland.

Eine steile Asphaltstraße (12%) schlängelt sich hinauf in die "Serra de Monchique",
hier verbinden sich schroffe Gebirgsformen mit lieblichem Hügelland. Manchmal gibt die Straße einen Blick in die Täler frei und wir sind total begeistert.




Nachdem wir erfolglos auf der Suche nach einem Zimmer waren, entscheiden wir uns in einer hohen Wiese unter einem Baum zu nächtigen.
Wir haben leider nicht genug Wasser dabei um uns zu waschen und so kriechen
wir ziemlich dreckig und verschwitzt in unsere Schlafsäcke. Wir werden mit einer herrlichen Nacht unter freiem Himmel belohnt.
Morgens radeln wir nach St. Luzia, ein verträumtes, blitzsauberes portugiesisches Dörfchen.
Wir kaufen uns in einem kleinen Laden etwas zum frühstücken und machen es uns anschließend gemütlich auf einer kleinen Bank mitten im Dorf.
Interessiert beobachten wir das Treiben um uns herrum, hier ist jeder mit irgendetwas beschäftigt.
Natürlich erwecken wir auch Neugierde und so kommen wir schnell in Kontakt mit den
Einheimischen, welche wir als sehr aufgeschlossen und hilfsbereit kennenlernen.


Martin im Gespräch mit einem Einheimischen, St. Luzia


Wir verlassen St. Luzia

Rückenwind treibt uns vorwärts, oft winken uns die Menschen zu, Autofahrer hupen und zeigen uns denn Daumen nach oben. Wir genießen das Radeln und erreichen schnell Evora, eine Universitätsstadt, deren historisches Zentrum zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.


Morgens in Evora


Am nächsten Tag unterschätzen wir die Entfernung auf der Karte und kommen abgekämpft nach 150 km in Portalegre an. Die Dunkelheit ist schon eingebrochen als uns Portugiesen erklären, dass der Campingplatz weit oben auf dem Berg liegt. Als wir dann endlich auf dem richtigen Weg sind steigt die Straße steil im Dunkeln nach oben, es geht hoch hinauf und unter uns flimmern die Lichter von Portalegre. Es ist 23 Uhr als wir auf dem ziemlich verlassen wirkenden Camping unser Zelt aufbauen. Schnell kochen wir noch Spaghetti auf dem Gaskocher und krabbeln dann ziemlich erschöpft in unsere Schlafsäcke.

22.05. - 30.05.04, Portalegre - Ayerbe (ES), 910 km

Als wir eine lange Steigung bewältigt haben rollen wir auf die spanische Grenze zu, etwas wehmütig sind wir schon bei dem Gedanken Portugal zu verlassen, hatte es uns doch hier so gut gefallen.
Wir überqueren die Grenze und rollen auf der 521 in die Extremadura. Hier wird das Landschaftsbild geprägt von Weiden und geschwungenen Hochebenen und in der Ferne kann man die Bergketten des Cordillera Central erkennen. Die Extremadura ist sehr dünn besiedelt und so radeln wir viele Stunden ohne in irgendeine Ortschaft zu kommen. Als ich in Caceres an einer verrauchten Hotelbar nach einem Zimmer für die Nacht frage stehe in mit meinen Radklamotten und ziemlich verschwitzt neben einem älteren Spanier. Er mustert mich von oben bis unten und fragt mich in schlechtem Englisch: "where do you come from"? Ich erzähle ihm wo her ich komme und wo hin ich will.
Mittlerweile sind seine ganzen Kumpels, die alle verteilt an der Bar sitzen auch auf mich aufmerksam geworden.
Durcheinander reden sie alle hektisch auf mich ein, jeder will von mir etwas wissen, natürlich auf spanisch und ich verstehe kein Wort. Martin bewacht draußen die Räder und wundert sich, was ich wohl solange da drinnen mache.


Gruß aus der Stierkampfarena in Caceres

Am nächsten Tag sind wir auf dem Weg nach Plasencia, mit dem Radeln läuft es wie geschmiert nur der Himmel sieht bedrohlich aus. Dann ergießt er sich über uns, es regnet aus Kübeln, es donnert und blitzt und schnell ziehen wir uns unsere Regenklamotten über. Zu allem Übel landen wir dann auch noch auf einer Autovia (4 spurige Schnellstraße) und mir reist ein Schaltzug. Kein schöner Tag.


Nach einem Regenschauer trocknen wir am Straßenrand unsere Sachen

Nachdem ich mein Rad repariert habe verlassen wir Plasencia und radeln am Rio Jerte entlang in das Val de Jerte.
Hier ist die Heimat der berühmten "Jertekirsche", und wir radeln an unzähligen Kirschbaumplantagen entlang hinauf in das Bergdorf Tonavacas. An einem Brunnen füllen wir unsere Wasservorräte auf und machen eine kleine Pause.
Ein bisschen ist hier schon der Hund begraben aber wir genießen diese Idylle.
Der "Puerto de Tornavacas" ist ein steiler, sich in die Länge ziehender Pass, der auch bei der Vuelta gefahren wird und wir sind froh, als wir endlich oben sind. Wir sind jetzt auf 1280m und hier oben geht ein ziemlich kalter Wind.


Auf dem Puerto de Tonavacas, 1280 m

Wir ziehen unsere Jacken an und rauschen halsbrecherisch auf der anderen Seite hinunter. Martin zischt wie ein Pfeil an mir vorbei, "85 Sachen" erzählt er mir später.
Wir zelten auf dem idyllischen Camping von El Barco. In der Ferne können wir die schneebedeckten Berge der Sierra de Gredos sehen.

Morgens packen wir im Regen zusammen und verlassen den Camping. In El Barco erzählt uns ein deutscher  Motorradfahrer, dass über Avila eine Regenfront hängt und es dort schon tagelang regnet. Keine schönen  Aussichten für uns. Die Straße steigt wieder steil hinauf zum "Casa del Puerto" auf ca. 900 hm und oben angekommen ist es wieder ziemlich kalt und windig. Auf der Abfahrt ins Tal kommen wir dann in diese besagte Regenfront, die bis Avila anhält. Avila liegt auf ca. 1128 hm und ist Spaniens höchstgelegene Provinzhaupstadt.
Die historische Altstadt wird von einer komplett erhaltenen romanischen Stadtmauer umschlossen.


Blick auf Avila

Wir sind froh, als wir ein Hostal mitten im Zentrum finden. Wir ziehen unsere klatschnassen Sachen aus und breiten alle nassen Sachen zum trocknen im Zimmer aus, einschließlich Zelt, das hängen wir über die offenen Schranktüren.

Im Zimmer herrscht nun ein feuchtes Klima und wir beschließen uns in der Altstadt etwas zu essen.
Am nächsten Tag sind wir auf einer stark befahrenen Hauptstraße unterwegs. Lkw´s donnern an uns vorbei und wirbeln uns Sand ins Gesicht.


Martin hat hat auf dem Weg nach Segovia seinen ersten Platten

Wir kommen aber gut vorran und erreichen schnell Segovia. Wir radeln durch die
Altstadt und durch das gewaltige, antike römische Aquädukt, dass ca. 28 Meter hoch ist und ca. 730 Meter lang.


Ich radle durch das römische Aquädukt in Segovia

Wir sind total begeistert. Die Nacht verbringen wir auf dem Camping von Segovia.
Morgens sind wir wieder auf der N110 unterwegs. Nach ca. 50 km müssen wir diese Straße verlassen und die 6 spurige Autobahn E5 benutzen. Es führt kein Weg daran vorbei und so radeln wir wie die Verrückten auf dem Pannenstreifen. Autos und Lkw´s donnern an uns vorbei aber so richtig interessieren tun wir keinen. Die Spanier sind halt locker, wenn ich da an Deutschland denke. Nach 7 km können wir die AB wieder verlassen und machen
nach diesem Stress erstmal eine lange Pause in einer Wiese. Nach 145 Tageskilometern erreichen wir dann Burgo de Osma unser Ziel für heute.

Am nächsten Tag stehen wir auf einer Kreuzung und wir haben beide keinen Plan in welche Richtung wir müssen.
Ein Autofahrer hupt und zeigt uns den Daumen nach oben. Ich signalisiere ihm, dass wir ein Problem haben und er anhalten soll. Er bleibt mitten auf der Kreuzung stehen, steigt aus und klopft uns auf die Schultern. Mit seinem spanischen Temperament erklärt er uns den Weg. Hinter uns staut sich der Verkehr aber es scheint ihn nicht weiter zu interessieren, er fuchtelt weiter mit seinen Händen und kritzelt auf meiner Karte rum. So sind sie eben die Spanier.

Später führt uns die Straße hinauf zum "Casa de Madero" auf 1180 hm. Wir kämpfen mit heftigem Gegenwind und oben angekommen bricht auch noch ein Gewitter los. Als wir Tarazona erreichen fragen wir in einem Laden nach einem Hostal. Kurzerhand macht die Chefin ihren Laden dicht, setzt sich in ihr Auto und signalisiert uns hinter ihr her zu radeln. Durch enge Gassen radeln wir ihr hinterher bis zu einem Hostal, welches schnuckelig inmitten der Altstadt liegt. Wie freundlich und hilfsbereit die Menschen in Spanien doch sind.

Abends gehen wir in der Altstadt bummeln. Hier pulsiert das Leben.

Am nächsten Morgen überqueren wir bei Tudela den Ebro und radeln dann auf der A-125 Richtung Ejea.
Die kleine, enge Straße führt uns viele Kilometer weit durch wüstenähnliche Landschaft. Einsam kämpfen wir gegen den Wind und die vielen Steigungen. Es herrscht eine drückende Schwüle, die uns beiden sehr zusetzt.

Die kleinen Dörfer die wir passieren wirken wie ausgestorben. Nach 125 km erreichen wir abgekämpft und mit Staub zwischen den Zähnen Ayerbe.

31.5. - 9.6.04, Ayerbe - Soulac sur mer (F), 640 km

Wir radeln auf der A-132 Richtung Norden. Die Pyrenäen sind jetzt nicht mehr weit.
Vorbei an bizarren Felsformationen steigt die Straße hinauf zum "Puerto de Santa Barbara".
Als wir oben ankommen zeigen sich uns bei bestem Wetter die Pyrenäen, welch ein überwältigender Anblick.
Die Pyrenäen ziehen sich auf ca. 450 km vom Atlantik bis zum Mittelmeer und trennen Spanien und Frankreich.
Wir setzen uns eine Weile an den Straßenrand und genießen diesen überwältigenden Ausblick.
Dann radeln wir hinab nach Jaca. Auf dem Camping in Jaca treffen wir auf eine Menge Radpilger aus Holland, die alle auf dem Weg nach Santiago de Compostella sind. "In Holland sind wir gestartet und erfüllen uns unseren Traum" erzählen sie uns. Jaca ist ein Etappenziel des Jakobsweges, dass haben wir vorher auch nicht gewusst.

Denn nächsten Tag verbringen wir in Jaca, wir reparieren unsere Räder und faulenzen in der Sonne.

Am nächsten Morgen trinken wir früh in Jaca Kaffee und entschließen uns nicht über den Transitpass "Col du  Somport" zu radeln, sondern den weniger frequentierten weiter östlich gelegenen "Col du Portalet" zu nehmen.

Wir radeln einige Km flach in östliche Richtung und müssen dann links abbiegen, jetzt steuern wir direkt auf die  Berge zu. Wir haben Glück, dass Wetter ist bestens und die Berge präsentieren sich uns wolkenfrei.

Nach Biescas steigt die Straße heftig an und wir ahnen, was auf uns zukommen wird. In Escarilla machen wir noch eine kurze Pause und füllen unsere Wasservorräte auf. Wieder auf dem Rad geht es immer bergauf. Wir befinden uns mittlerweile in einer spektakulären, alpinen Bergwelt und kämpfen gegen heftigen Gegenwind, der das Radeln mit 25 kg Gepäck und bei einer Steigung von ca. 10% zur Tortur macht.


Alpine Bergwelt in den Pyrenäen

Abgekämpft kommen wir oben auf der Passhöhe bei 1792 hm an, hier oben verläuft die Grenze zu Frankreich.


Auf dem Col du Portalet

Nach einer kurzen Pause nehmen wir die atemberaubende, durch spektakuläre Landschaft verlaufende Abfahrt hinunter nach Laruns. Wir sind jetzt in Frankreich. Die Nacht verbringen wir auf dem Camping von Laruns.

Morgens beginnen wir den Tag gemütlich bei einem Kaffee auf dem Marktplatz von Laruns. Wir unterhalten uns bei bestem Wetter eine Weile mit einem australischen Tourenbiker und rollen anschließend ganz gemütlich Richtung Pau.


Wir lassen die Pyrenäen hinter uns

Pau ist eine hektische, französiche Kleinstadt in der man alle Mühe hat sich auf dem Rad zu halten.
Man muss sich hier als Radfahrer behaupten können sonst hat man keine Chance gegen die ganzen Autos, Lkw´s und Mopedfahrer. Abends kochen wir uns in der Jugendherberge Spaghetti wie immer halt.
Nachdem wir am nächsten Morgen unsere Räder bepackt haben kaufen wir uns unsere ersten frischen Baquette´s, auf die wir uns schon lange gefreut haben und frühstücken in Pau mitten auf dem Marktplatz.

Die Strecke nach Dax ist ziemlich eben und so haben wir die 100 km schnell geradelt. Natürlich müssen wir uns in Dax wieder durchkämpfen, dass uns hier das gleiche Bild erwartet wie in Pau überrascht uns eigentlich nicht.


Kathedrale von Dax

Abends relaxen wir auf einem abgelegenen Camping am See.
Nach einem Frühstück am See rollen wir nun Richtung Atlantik. Als wir durch den Ort Magescq rollen werden wir an einer Bäckerei angehalten. Hier ist Aktionstag, viele Leute tummeln sich vor der Bäckerei und der Bäcker, der ein Mikrofon in der Hand hält versucht uns auf französisch zu interviewen. Wir verstehen natürlich kein Wort aber man sieht uns an, dass wir einen langen Weg hinter bzw. vor uns haben. Mit Süßstücken und Luftballons werden wir dann verabschiedet. Später decken wir uns an einem Supermarkt mit Lebensmitteln ein. Auf dem Parkplatz treffen wir auf einen deutschen Tourenbiker, Mitte 60 schätze ich ihn. Von der Sonne gegerbt und ziemlich ausgezehrt erzählt er uns, dass er mit dem Rad von Saarbrücken nach Biarritz geradelt ist und sich jetzt wieder auf dem Heimweg befindet. Martin und ich gucken uns nur an und denken vermutlich das Gleiche: "In dem Alter, alle Achtung".

Er schließt sich uns ein Stück an und so kämpfen wir gemeinsam gegen diesen fürchterlichen Gegenwind, der hier herrscht. Nach 115 km erreichen wir Biscarosse und haben damit endlich den Atlantik erreicht.


Am französischen Atlantik

Die nächsten 2 Tage fahren wir auf gut ausgebauten Radwegen an der Küste entlang. Der Weg führt uns bei bestem Wetter durch herrliche Sanddünen und duftende Pinienwälder. Auf dem Camping in Soulac treffen wir auf Matt, einen australischen Tourenbiker. 


10.6. - 15.6.04, Soulac sur mer - Cherbourg, 660 km

Am Atlantik ist es so schön, dass wir uns spontan entschließen einen Tag zu bleiben und auszuruhen.
Wir verbringen den Tag am Meer, ich mache Fotos und wälze Landkarten. Auf dem Camping sind meist deutsche Rentner mit ihren Wohnwagen.
Nach dem Ruhetag fällt es uns dann ganz besonders schwer morgens aufzustehen und die Sachen zu packen, am liebsten würden wir noch hier verweilen aber wir müssen weiter. Am Pointe de Grave setzen wir mit der Fähre über die Gironde nach Royan über.


Royan

Hier, wo die Gironde in den Atlantik mündet ist der größte Mündungstrichter in Europa. Jetzt verlassen wir endgültig den Atlantik und erreichen über kleine Strassen das Städtchen St. Jean-d´Angely, ein wunderschönes, französisches Kleinstädtchen, fernab von jeglicher Hektik. Als wir abends vor unserem Zelt liegen bekommen wir Besuch von ein paar einheimischen Mädels. Wir sind beide überrascht, es hat sich wohl schnell rumgesprochen, dass 2 Biker auf dem Camping weilen. Es sei so langweilig im Städtchen und so seien sie immer froh über neue Gesichter geben sie uns auf englisch zu verstehen. Lange unterhalten wir uns und spät in der
Nacht kriechen wir endlich in unsere Schlafsäcke.

Die nächsten Tage radeln wir entspannt durch die französische "Pampa", durch Weideland, Kornfelder, vorbei an hübschen Kirchen und durch alte Dörfer. Als wir durch Moncautant radeln werde ich von einem Rottweiler angefallen.
Das Vieh kommt wie aus dem Nichts auf mich zu, ich radle um mein Leben, komme aber nicht weg weil es jetzt ausgerechnet bergauf geht. Er versucht nach mir zu schnappen aber ich habe Glück, durch meine Packtasche bekommt er einen Schlag auf die Schnauze und lässt von mir ab.

Über Chemille und Vitre erreichen wir Brecey´ in der Normandie. Die Normandie entzückt uns mit ihren wunderbaren Steinhäusern, überrascht uns aber immer wieder mit kleineren giftigen Steigungen. In Coutances machen wir vor der Kathedrale "Notre Dame de Coutances" auf einer Bank eine kleine Pause. Die Kathedrale überragt die ganze Bischofsstadt. Mächtig.


Vitre

In der ganzen Stadt hängen amerikanische Flaggen, in den Schaufenstern der Läden sind
überall Bilder von amerikanischen Soldaten aufgestellt. Wir wundern uns schon über all das hier. Ein Franzose erklärt uns dann, dass hier der 60 Jahrestag der Befreiung der deutschen Besatzung durch die Amerikaner gefeiert wird. 1944 landeten die Alliierten an den Stränden Omah- und Utah Beach und befreiten die Franzosen von den Deutschen. Die Normandie ist heute noch ein Kriegsschauplatz.

In le Haye du Puits verbringen wir auf einem Camping die Nacht. Der Camping hier ist voll von Engländern.
Heute ist unser letzter Tag auf französischen Straßen. In St. Sauveur essen wir mittags in einem absolut abgefahrenen Lokal. Das beste Essen seit langem mal wieder. Richtung Cherbourg habe ich dann auch noch einen Platten.
In Cherbourg besorgen wir uns Tickets für die Fähre nach England und checken in der Jugendherberge ein.

16.6. - 25.6.04, Cherbourg - Hawes (E), 800 km

Heute morgen heißt es früh raus aus den Federn, um 8 Uhr geht unsere Fähre nach England.
Nach einem guten Frühstück rollen wir durch das noch verschlafene Cherbourg an den Fähranleger. Wir sind beide schon neugierig darauf, was uns wohl in England erwarten wird.
4 Stunden dauert die Fahrt über den "Ärmelkanal" und Südengland empfängt uns mit seinen wunderschönen weißen Kreideklippen.


Kreidefelsen in Südengland

Um die Mittagszeit rollen wir dann in Poole aus dem Bauch der Fähre, es geht ziemlich hektisch
zu und es passiert mir gleich das erste Missgeschick, ich radle in den Gegenverkehr und werde fast von einem Auto erfasst. Es ist nicht ganz so einfach sich gleich an den Linksverkehr auf der Insel zu gewöhnen.


Poole, Südengland

In der Touristeninformation decken wir uns mit allem möglichen Kartenmaterial ein, mit Radkarten, Campingverzeichnissen und Straßenkarten. Dann radeln wir auf einen Camping außerhalb von Poole.

Am nächsten Tag sind wir auf einer sehr stark befahrenen A-Straße (Hauptstraße) unterwegs, was uns mächtig Nerven kostet. Es ist der pure Wahnsinn hier. Die Straßen sind eng, links und rechts Meter hohe Hecken und extrem giftige Anstiege. Bergauf werden wir von Trucks gejagt, die hier nicht überholen können und es bilden sich dahinter lange Autoschlangen. Anhalten können wir wegen den Hecken nicht und so fluchen wir beide vor uns hin.

Nach 120 km purem Stress kommen wir total entnervt in Bath an und fragen uns zum Camping durch. Wir wollen nur noch schnell in unsere Schlafsäcke kriechen.


Die Stadt Bath und der Fluss Avon

Morgens radeln wir durch Bath und schauen uns die Altstadt an. Im Starbucks Coffee entscheiden wir uns dann England nicht wie geplant im Westen zu durchradeln sondern über Oxford in den Osten auszuweichen, wir hatten beide keine Lust später durch Liverpool oder Manchester zu radeln. Wir fragen uns zum Radweg am Avon Kanal durch und radeln entspannt am Kanal entlang. Auf dem Kanal schippern unzählige Hausboote, manche verbringen
nur ihren Urlaub darauf, andere ihr ganzes Leben und so treffen wir auf unserem Weg auf eine Vielzahl von Individualisten.


Auf einer Brücke über den Avon treffen wir einen deutschen Tourenbiker

Nach ca. 70 km müssen wir den Radweg am Kanal bei Hungerford verlassen und natürlich fängt
gleich wieder der Horror mit dem Verkehr an aber wir kommen gut vorran. Nach 140 km erreichen wir ziemlich dreckig und abgekämpft den Camping von Standlake.

Am nächsten Tag radeln wir ausschließlich auf kleinen Nebenstraßen auch "Singletracks" genannt und geraten immer wieder in Regen. Wir schauen uns ein englisches Castel an und tummeln uns eine Weile im riesigen Park.

Denn nächsten Tag verbringen wir in unserem Zelt in Banbury. Wir sind beide fertig und brauchen eine Pause vom "Streetfighting" der letzten Tage. Wir schlafen oder hören dem Regen zu und draußen knattern andauernd uralte Motorräder vorbei, die zu einem Veteranentreffen wollen.
Morgens geht es uns wieder gut und so drehen wir Banbury voller Elan den Rücken zu. Wir radeln auf kleinen Nebenstraßen durch herrliche, englische Bilderbuchlandschaft. Als wir vor einem Hotel in Melton Mowbray unsere Räder entpacken schaut mich eine Engländerin von oben bis unten an und schreit plötzlich: "wow, what brown legs".

Ich schaue Martin an und wir fangen beide an zu lachen. Nach einer guten Nacht haben wir heute unser erstes, richtiges, englisches Frühstück. Es gibt alles was das Herz begehrt: Schinken, Eier, Bohnen, Würstchen und wir beide hauen rein wie die Weltmeister, sowas gibt es doch nicht alle Tage.

Wir sind beide ausgeruht, haben gut gefrühstückt und genießen förmlich das Radeln durch diese typisch englische Landschaft. Mittlerweile sind wir ein eingespieltes Team, wir wechseln uns im Wind ab und fliegen förmlich dahin.

Wir umfahren Nottingham im Osten und befinden uns jetzt auf dem Weg in Richtung Kingston-Upon-Hull.
Mittlerweile regnet es wieder, der Himmel sieht bedrohlich aus und wir radeln vorbei an mächtigen Kraftwerken die düster und unheimlich wirken. Wir nähern uns dem englischen Industriegürtel. In Goole erwartet uns dann nur "Industrieshit" und wir verfransen uns ordentlich. Es ist düster und es regnet in Strömen. An einer Tankstelle kann
uns dann endlich jemand den richtigen Weg in Richtung Selby erklären. Um hier weg zu kommen müssen wir wieder eine verkehrsreiche Straße benutzen. "Bleibt uns etwas anderes übrig?", frage ich Martin. Er schüttelt mit dem Kopf.

Beide wollen wir schnell weg aus dieser düsteren Industriestadt und so kämpfen wir wieder gegen die vielen Trucks und den Regen. Die lauten Trucks die auf diesen extrem engen Straßen an uns vorbei donnern gehen uns beiden ganz schön auf die Nerven und wir fluchen vor uns hin was das Zeug hält. Als wir den Camping von Selby erreichen haben wir wieder einmal eine Schlacht geschlagen.

Morgens hat es aufgehört zu regnen, dafür stürmt es wie verrückt. Haben wir denn überhaupt kein Glück mehr mit dem Wetter? Auf dem Rad kämpfen wir gegen die extremen Windböen die natürlich von vorne kommen. In Schlangenlinien legen wir km für km zurück. Nach einer Pause in Knaresborough machen wir noch eine kleine Castelbesichtigung. Als wir weiterradeln hat sich der Wind endlich gelegt. Wir passieren Ripley und plötzlich erwarten uns wieder die ersten, krassen Steigungen. Wir bewegen uns auf den Yorkshire-Dales-Nationalpark zu, der berühmt ist für seine brutalen Steigungen. Wir sind gespannt was uns da erwartet. Mittlerweile prasselt schon wieder Dauerregen auf uns ein und als wir das Städtchen Pateley Bridge (schönstes Städtchen Englands 2004) passiert haben müssen wir ca. 4km bei 16% nach oben. Als wir das Hochplateau erreicht haben stürmt es und es ist höllisch kalt. Wir ziehen uns schnell unsere warmen Jacken über.


Als wir das Hochplateu erreichen ist es stürmisch und regnerisch

Nach etwa 5 km entdecken wir im Nebel ein einsames, schnuckeliges Pub und wir flüchten uns schnell rein. Hier ist es gemütlich und warm und wir wärmen uns bei einer Kanne Tee auf. Außer uns sind hier noch ein paar englische Farmer in Gummistiefeln. Lange weilen wir hier und irgendwie haben wir keine Lust mehr zum Weiterradeln. Aber es bleibt uns keine andere Möglichkeit und so setzen wir uns auf unsere Räder und verschwinden im Nebel. Die Nacht verbringen wir in Treshfield.

Morgens werden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt. Nach so vielen Regentagen ist endlich ein Wunder geschehen. In der Touristeninformation holen wir uns Broschüren über den Nationalpark und kommen dabei mit den zwei Angestellten ins Gespräch. Beide stellen uns neugierige Fragen über unsere Tour. Auf welligen Straßen erreichen wir das idyllische Dörfchen Kettlewell und wir entschließen uns spontan zum Mittagessen in einem Pub.




Gestärkt radeln wir weiter und nach Bucken steigt die Straße an. Viele Kilometer geht es teilweise bei 20% aufwärts. Wahnsinn. In Zeitlupe treten wir in die Pedalen, das Gepäck zieht nach hinten und wir haben größte Mühe.


Krasse Steigungen erwarten uns im Yorkshire - Dales - Nationalpark

Manchmal geht es einfach nicht mehr weiter und wir müssen absteigen. Die Landschaft ist attraktiv und unberührt. Rest-berge aus Kalk- und Sandstein, Schluchten und Wasserfälle beleben die herben Hochplateaus.


Gleich gehts im Sturzflug bergab

Auf der anderen Seite geht es dann im freien Fall ab nach Hawes. Martin kann sich bei solchen Abfahrten nicht bremsen und rauscht mit 83km/h ab. Hawes ist ein hübsches Städtchen eingebettet in den Gebirgszug The Pennines. Wir bauen unser Zelt auf dem genauso hübschen Campingplatz mit Blick auf die Berge auf. Wir sitzen draußen in der Sonne und kochen auf unserem Spirituskocher Spaghetti. 

26.6. - 3.7.04, Hawes - Aberdeen, 610km

Nachts wache ich auf, im Zelt neben uns geht es rund. Ein Deutscher beglückt seine englische Freundin.
Sie kann sich das Gestöhne nicht verkneifen und so ziemlich der ganze Camping hört mit. Ich bin ziemlich sauer und schreie: "shut up". Kurz ist Ruhe, dann geht das Gestöhne weiter, die ganze Nacht lang.
Morgens bin ich ziemlich gerädert und schlecht drauf. Wir packen zusammen und kaufen in Hawes ein, hier trifft man auf Wanderer aus aller Welt. Der Himmel ist wieder zugezogen und es fängt wieder an zu regnen.
Wir radeln durch den Regen, es geht immer auf und ab, der Tag ist bis dahin "horrabel" und ich denke nur an meinen Schlafsack. Wir verlassen den Yorkshire-Dales-Nationalpark und radeln durch tiefste englische Pampa.

Diese wunderschöne englische Landschaft mit ihren grünen Wiesen, den Schafen,den Grasbergen und den verträumten Häuschen fasziniert uns und lässt uns immer wieder Kraft schöpfen. Wir rollen über die Grenze nach Schottland. Die Landschaft bleibt anfangs unverändertes Weideland. Dann sehen wir in der Ferne diese mit Gras bewachsenen Hügel. In Moffat schlagen wir unser erstes Nachtlager in Schottland auf.


Unterwegs in Schottland

Morgens waschen wir an einem Autowaschplatz unsere Räder und ölen die Schaltung und die Kette dann radeln wir los immer Richtung Norden. Noch radeln wir in den weniger interessanten hügeligen Lowlands wo drei Viertel der schottischen Bevölkerung lebt und wo sich auch das schottische Industrierevier befindet. In Peebles begleitet uns ein Radler zu einem Radladen wo ich mir einen neuen Tacho kaufe.

Auf dem Camping treffen wir auf eine verrückte Londonerin. Sie war mit dem Rad am südlichsten Zipfel Englands Land`s End gestartet und will die komplette Insel bis ins schottische Thurso durchradeln. Alle Achtung.
Heute morgen müssen wir früh los. Wir verabschieden uns von der Londonerin, kaufen ein und machen uns auf den Weg nach Edinburgh. Nach ca. 30 km erreichen wir die Stadt und plötzlich reist mir ein Schaltzug. Ausgerechnet in der Stadt denke ich mir aber der Zug ist schnell ausgewechselt und es kann gleich weiter gehen. Ein breiter Radweg führt uns direkt in die Stadt und wir radeln die Princes Street hinunter.


Princes Street, Edinburgh

Das Straßenbild wird von roten Doppeldeckerbussen beherrscht. Wir besichtigen von unten das mächtige Edinburgh Castle. Dann fragen wir zwei Polizisten nach dem besten Weg aus der Stadt. Natürlich landen wir wieder auf einer 4-spurigen Schnellstraße, die wir erst nach 15 km wieder verlassen können. Über die Firth-of-Forth Bridge überqueren wir den Forth, den größten Fluss in Schottland. Die Brücke ist die elementare Verbindung von den schottischen Lowlands in die Highlands.


Die Forth Rail Bridge

Schnell sind wir wieder inmitten herrlicher Natur und spontan steigen wir in einer Jugendherberge die sich am Straßenrand anbietet ab. Die Herberge liegt einsam in schönster Natur.
Morgens sitzen wir beim Frühstück und draußen regnet es aus Kübeln. Ohne lange zu überlegen ziehen wir uns unsere Regenklamotten über, packen unsere Räder und radeln im strömenden Regen davon. Es geht durch fruchtbares, hügeliges Farmland bis in das symphatische Städtchen Crieff. Dann wandelt sich die grüne Kulturlandschaft
dramatisch und wird zur zerklüfteten Pracht des Hochtal Sma´Glen. Von hier geht es dann wieder bergab bis Dunkeld.
Das Wetter bessert sich ein wenig und bis nach Blairgrowie läuft es wie geschmiert. Auf dem Camping machen wir dann für heute denn Riemen runter. Neben uns zeltet eine australische Familie, die mit dem Leihwagen auf Schottlandtour sind. Unsere beiden Zelte sind so ziemlich die Einzigen auf dem ganzen Platz und so kommen wir auch ziemlich schnell ins Gespräch. Lange unterhalten wir uns über die sehr unterschiedlichen Länder Schottland und Australien. Es wird immer schwerer morgens früh aus dem Zelt zu kriechen. Im Schlafsack ist es warm, die Knochen
tun weh und es steht wieder ein schwerer Tag bevor. Manchmal würde man am liebsten ganz liegen bleiben. So kommen wir heute spät weg. Wir radeln nach Bridge-of-Cally. Von hier steigt die Straße hinauf in die Glen Shee Mountains und über denn Pass mit dem furchteinflösenden Namen "Devils Elbow".


Am "Devils Elbow", Grampian Mountains

Auf der Passhöhe regnet es und es ist sehr windig. Wir ziehen uns unsere Jacken über und rauschen auf der anderen Seite ab. Spontan schlagen wir unser Zelt an einem Fluss inmitten der einsamen Wildnis auf.


Zelten in der Wildnis

Danach erklimme ich mit meinem Mountainbike auf  einem Singletrail noch einen Berg. Oben angekommen habe ich einen überwältigenden Ausblick auf die Berge, in Schottland auch "Munros" genannt. In der Ferne kann ich sogar Loch Muick erkennen. Ich genieße denn romantischen Sonnenuntergang hier oben und mache mich dann wieder auf denn Weg nach unten. Martin hat mittlerweile eine Kleinigkeit auf unserem Spirituskocher gekocht und wir stillen unseren Bärenhunger.
Nach einer erholsamen Nacht mache ich den Reisverschluß am Zelt auf und genieße diesen morgendlichen Blick auf die Berge. Welch ein fantastisches Naturerlebnis. Wir packen zusammen und rollen nach Braemar. Hier gönnen wir uns ein echte schottisches Frühstück. Es gibt alles was das Herz begehrt, Würstchen, Schinken, Bohnen und Eier.

Nach diesem gemütlichen Frühstück ziehen wir uns warm an, draußen ist es kalt ca. 13° und das am 2 Juli. Das Städtchen wird von lauter deutschen Motorradfahrern die ziemlich arrogant wirken belagert. Auf was bilden die sich was ein denke ich mir. Schnell verlassen wir Braemar in Richtung Ballater. Gemütlich radeln wir am River Dee entlang und besichtigen Balmoral Castle, ein großes Schloss, dass Königin Victoria im schottischen Stiel am River Dee errichten ließ. Das Schloss ist heute Sommerresidenz von Elisabeth II, der britischen Königin.


Balmoral Castle

Weiter gehts am Dee entlang und der Himmel sieht bedrohlich schwarz aus. Plötzlich kommen wir in starken Regen und flüchten uns ins Crathes Castle welches auf dem Weg liegt. Klatschnass sitzen wir hier und warten auf besseres Wetter. Der Regen lässt nach und wir radeln weiter. Nach einigen Kilometern fängt es wieder an. Jetzt bricht ein extremes Unwetter mit
Gewitter und starkem Hagel über uns los. Radeln ist hier fast unmöglich aber wir kämpfen uns einige Kilometer bis zu einer Bushaltestelle vorwärts. Wir flüchten in das Wartehäuschen in welches sich schon ein Motorradfahrer geflüchtet hat. Tropfnass stehen wir alle drei da und warten auf besseres Wetter. Als der Hagel nachlässt radeln wir weiter nach Aberdeen. Jetzt hat Martin sein Ziel erreicht, er wird morgen Heim fliegen. Wir radeln durch die "Granite
City" und erkundigen uns an der Touristinfomation über die Fähren nach Norwegen und die Jugendherberge.


Ich radle auf der Union Street in Aberdeen

Denn letzten gemeinsamen Abend verbringen wir in einem Pub in der Stadt. Hier ist Livemusik angesagt und wir gönnen uns zum Abschied jeder ein Glas schottischen Whisky. Die Nacht verbringen wir in einem 10-Bettzimmer mit acht polnischen Studenten. 

4.7. - 12.7.04, Aberdeen - Trondheim (N), 805 km

Morgens frühstücken wir ausgiebig im Hostel. Nach sechs gemeinsamen Wochen und 4000 km im Sattel müssen wir uns dann verabschieden. Martin packt sein Rad und radelt an den Flughafen, heute geht sein Flug in die Heimat. Ich gammle noch eine Weile im Hostel und unterhalte mich mit den polnischen Studenten. Meine Fähre auf die Shetland Inseln geht erst am späten Nachmittag. Dann fahre ich durch Aberdeen zum Fährhafen, muss mich jetzt erst wieder daran gewöhnen alleine zu sein. Ich kaufe mir ein Ticket und rolle in den Bauch der Fähre. Als das Schiff ablegt stehe ich auf Deck und genieße den Blick zurück auf Aberdeen. Später mache ich es mir im Fernsehraum
gemütlich und schaue das EM Endspiel Portugal - Griechenland 0:1, wer hätte das gedacht. Nach 6 Stunden erreichen wir die Orkney Inseln. Das Schiff fährt vorbei an pittoresken Formen, die das Küstenpanorama prägen in den kleinen Hafen von Kirkwall. Wir machen hier einen kleinen Zwischenstopp, um neue Passagiere nach Shetland aufzunehmen. Es ist gegen Mitternacht und es dämmert leicht (dunkel wird es im Sommer nicht) als ich an Deck
stehe und dem Treiben im Hafen zusehe. Dabei entdecke ich einen vollbepackten Tourenbiker, der auch auf das Schiff rollt. Später erzählt er mir, dass er in Coburg gestartet ist und bis nach Iceland will. Denn Rest der Nacht verbringe ich auf einem ziemlich ungemütlichen Sessel. Gegen 7 Uhr erreichen wir Lerwick, den Hauptort der Shetland Inseln.


Lerwick von der Fähre gesehen

Müde rolle ich aus dem Bauch der Fähre, die ganze Stadt liegt im Nebel und alles wirkt noch wie ausgestorben. Dann taucht im Nebel ein Hafenarbeiter auf und ich frage ihn wo ich hier etwas frühstücken kann.

Er schaut mich von oben bis unten an und sagt ungläubig: "so much stuff on a bike, I can`t believe it". Dann zeigt er mit dem Finger auf eine Hafenspelunke und geht weiter. Hier hole ich mir ein Frühstück und setze mich inmitten die Hafenarbeiter und Fischer die auch alle hier frühstücken. Dann taucht auch der deutsche Tourenbiker, den ich auf dem Schiff getroffen habe auf. Er holt sich auch ein Frühstück und setzt sich zu mir. Gemeinsam frühstücken wir
und tauschen Erfahrungen aus. Er macht jedes Jahr eine 5000 km Tour erzählt er mir. Als wir dann gemeinsam zum Büro der Smyril Line radeln ist Lerwick aus seinem Tiefschlaf erwacht und die Sonne scheint.

Mein Schiff nach Bergen geht erst in den Abendstunden und so entschließe ich mich ein wenig die Insel zu erkunden.
Ich radle hinüber an die Westküste nach Scalloway, ein friedliches kleines Dörfchen am Meer mit gut erhaltenen Ruinen eines Schlosses aus dem 16. Jhs. Dann radle ich an der Westküste entlang Richtung Norden. Ich genieße den Blick auf die zahlreichen Fjorde und Buchten die hier die Küste kennzeichnen. Es ist hier alles so friedlich und einsam, ein Paradies für Naturliebhaber.


Bunte Holzhäuschen auf den Shetland Inseln

Zurück in Lerwick sitze ich lange am Hafen und schaue dem Treiben der Fischer zu. Gegen Abend rolle ich dann in den Bauch der Norröna, das Flaggschiff der Smyril Line, eine Kreuzfahrt-
Fähre, wie sie stolz von der Reederei angepriesen wird. Im Inneren ist es riesig, Autos stehen dicht hintereinander, Lkw`s werden angeleint, Motorradfahrer gurten ihre Maschinen fest und ich lehne mein Rad hinter einem Lkw an die Schiffswand an. Pünktlich legt die Norröna ab, dreht im Hafenbecken von Lerwick auf der Stelle, um anschließen unbeeindruckt vom Seegang ihren Kurs Richtung Bergen (N) zu nehmen. Ich werfe noch einen letzten Blick auf
 Lerwick und suche dann zügig die Couchettes im untersten Deck der Fähre auf, ich bin müde und will schlafen.

Morgens schlafe ich viel zu lange und ich werde von Kopfweh geplagt. Schnell mache ich mich fertig, wir sind kurz vor Bergen. Ich trinke einen Kaffee und esse eine Kleinigkeit. Dann genieße ich die herrliche und spektakuläre Hafeneinfahrt durch die Schären vor Bergen. Die Norröna legt an und nach einiger Zeit kann ich aus dem Bauch der Fähre rollen. Endlich in Norwegen, wie lange habe ich mich auf dieses Land schon gefreut. Ich radle durch das alte Hanseviertel Bryggen, welches zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, vorbei am berühmten Fischmarkt ins Zentrum.


Das alte Hanseviertel "Bryggen"

Ich war vor einigen Jahren schon einmal hier und kenne diese Stadt gut. Ich liebe sie einfach.
An der Touristeninformation decke ich mich mit Informationsmaterial ein und drehe dann der Stadt den Rücken in Richtung Norden zu. Die E 39 ist ziemlich befahren und es geht durch viele kleinere Tunnel was nicht so angenehm ist. Vor einem langen Tunnel, der für Radler gesperrt ist muss ich die E 39 verlassen und es geht viele spektakuläre Kilometer an einem Fjord entlang. Als ich das Dörfchen Masfjordness erreiche ist es schon spät. Das Dörfchen ist wie ausgestorben und es gibt hier außer ein paar Holzhäuschen nichts. Ich habe Kohldampf und nichts mehr zu essen.
Einsam fahre ich dann noch viele Kilometer bis in die Nacht dahin. Als ich vor Müdigkeit fast vom Rad falle stelle ich mein Zelt am Straßenrand auf und krieche hungrig und in voller Radlermontur in meinen Schlafsack.

Nachts schlafe ich wie ein Murmeltier in dieser verlassenen Gegend. Morgens packe ich mein Zelt ein setze mich auf mein Rad und radle weiter. An einem Bächlein fülle ich meine Radflaschen auf und genieße das frische, glasklare Wasser. Dann fällt mir ein, dass ich irgendwo in meinen Taschen noch eine Dose Sardinen habe, die ich schon seit Portugal mit mir rumschleppe. Was ist solch eine Dose Sardinen wert wenn man nichts mehr zu essen hat denke
ich mir und stille fürs erste meinen Hunger. Nach ca. 30 km erreiche ich den Fähranleger Oppedal. Hier esse ich  einige Hot Dogs und nehme dann das Schiff über den Sognefjord. Der Sognefjord ist mit einer Länge von 200 km der längste Fjord in Europa und besitzt eine Tiefe von bis zu 1.300 m. Die steilen Berghänge am Ufer streben bis zu 1.700 m hoch. Natürlich regnet es wieder und von den Bergen rund um den Fjord ist vor lauter Wolken nichts zu sehen. Das Schiff schaukelt und der Regen klatscht an die Scheiben. Ab Lavik radle ich dann wieder auf der E 39
einsam nach Fjorde wo ich auf dem Camping endlich eine Dusche nehmen kann.

Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder bestens, der Himmel ist wolkenfrei und die Sonne lacht vom Himmel.

Ich radle an einem See entlang und die schneebedeckten Berge spiegeln sich im Wasser wieder.


In der Ferne kann man eine Gletscherzunge des berühmten Gletscher Jostedalsbreen erkennen. Ich bin hin und weg von dieser grandiosen Natur, die sich bei diesem herrlichen Wetter in all ihrem Glanz präsentiert. Die E 39 führt mich durch ein fantastisches Tal bis zum Utfjord. Ich setze mit der Fähre über und muss gleich durch einen ca. 4 km langen Tunnel.

Im Tunnel ist es dunkel und irgendwo höre ich ein lautes Brummen. Das Brummen kommt immer näher, ich denke an einen Lkw kann aber nirgendwo einen erkennen. Es ist ziemlich gespenstisch hier. Dann schaue ich an die Decke und kann zwei riesige Lüfter erkennen. Ich bin schon ein bisschen erleichtert als ich den Tunnel verlassen kann.

In Nordfjordeid frage ich einen Radler nach dem Camping. Es ist Olv, ein norwegischer Lehrer, der mich spontan zu sich und seiner Familie nach Hause einlädt. Die Familie wohnt in einem schmucken Holzhaus mit Gras bedecktem Dach. Hinter dem Haus rauscht ein Wildbach, indem die Lachse springen und vor dem Haus befindet sich ein Bolzplatz auf dem die Kinder Fußball spielen. Es herrscht hier eine richtige Bilderbuchatmosphäre.

Morgens tischt Olv ganz schön auf. Wir unterhalten uns lange und ich fühle mich hier richtig wohl. Aber ich muss weiter, will ich doch in 5 Tagen meine Freundin Nicole auf dem Flughafen in Trondheim abholen. Dann rückt die komplette Familie an um mich zu verabschieden. Tone, die Frau von Olv sagt zu mir: "Der deutsche Radfahrer  wird lange in unserer Erinnerung bleiben". Lange winken sie mir noch nach. Die E 39 führt gleich wieder 10 km bergauf. Ich merke wie ich mich mittlerweile an solch langen Steigungen quälen muss, dass Radeln fällt mir schwer.

Richtung Molde radelt ein älterer Norweger neben mir her. Er fragt mich auf Englisch: "where do you come from?"

Ich erzähle ihm meine Story, die ich schon hundertmal erzählt habe (und noch hundertmal erzählen werde) und er sagt zu mir: "you are crazy, go in Molde to the newspaper". Die Nacht verbringe ich einsam an einem Fjord.

Aus meinem Zelt heraus beobachte ich, wie die Sonne über dem Fjord untergeht. Was für ein Naturerlebnis.


Zelten am Fjord

Morgens muss ich gleich wieder 10 km klettern. Ich fluche, ich kann keine Berge mehr sehen.

Bei der Fjordüberfahrt nach Halsa rede ich lange Zeit mit einem deutschen Mädchen. So ein Flirt auf einem Fjord hat schon was für sich und gleich geht es bei mir auch wieder besser. Nach 110 km komme ich in Vinje meinem eigentlichen Tagesziel an. Es gibt hier eine handvoll Holzhäuser sonst nichts. Ein Mann sagt mir, dass es in etwa 20 km ein Imbiss mit Dusche gibt und ich da auch zelten könne. Es ist schon spät aber ich radle weiter. Die Straße zieht sich lange nach oben und ich befinde mich wieder inmitten der Wildnis. Ich bin totmüde und schlittere immer wieder
mit den Packtaschen an der Leitplanke entlang. Nach weiteren 30 km erreiche ich den Imbiss, der einsam im Wald steht. Dann stelle ich mein Zelt provisorisch auf einer Palette auf, die hier im Wald herumliegt. Einen anderen Platz finde ich hier vor lauter Wurzeln und Büschen nicht.

Die nächsten 2 Tage radle ich auf der E 39 immer Richtung Trondheim. Ich freue mich darauf, nach so langer Zeit meine Freundin Nicole zu sehen und ich will unbedingt pünktlich sein. Als ich auf den Flughafen zu rolle sehe ich, wie die Maschine der KLM, in der Nicole sitzt, landet. Ich habe es auf die Minute geschafft hier zu sein.

Natürlich begrüßen wir uns herzlich in der Ankunftshalle und tauschen uns lange aus. Dann schrauben wir das Rad von Nicole zusammen, bepacken es und radeln auf der E 39 wo ein fürchterlicher Verkehr herrscht nach Asen auf einen gemütlichen Camping.

14.07. - 25.07.04, Asen - Harstad (Vesterälen), 1015 km

Nicole hat mir aus Deutschland ein paar Ersatzteile für mein Rad mitgebracht und so ziehe ich nach dem Frühstück einen neuen Mantel auf das Hinterrad auf und wechsle die Bremsbeläge.

Als wir unsere Sachen zusammenpacken fängt es schon wieder an zu regnen. Dann radeln wir durch Steinkjer und der Regen peitscht vom Himmel. Abends kuscheln wir dann gemütlich im Zelt.

Am nächsten Tag radeln wir viele km durch die Wälder, welche Mittelnorwegen prägen. Nicole sagt: "es ist ein richtiger Märchenwald hier". Dann schlägt das Wetter wieder um und Dauerregen prasselt wieder auf uns nieder.


Tagelanges Radeln bei Dauerregen (Nicole)

Als wir am Majavatn (See) ankommen mieten wir uns eine kleine Holzhütte. In Norwegen stehen auf den meisten Campingplätzen kleine Hütten, die man mieten kann. 


Nicole morgens am Majavatn


Wie durch ein Wunder hat der Regen morgens aufgehört und die Sonne lacht vom Himmel. Wir frühstücken in unserer gemütlichen Holzhütte und radeln dann ziemlich "happy" los. Wir fahren viele Kilometer durch Wälder, vorbei an Seen und über noch schneebedecktes Fjell.


Unterwegs in der norwegischen Wildnis


Dann hat Nicole ihren ersten Platten. Wir flicken den Reifen und als wir fertig sind steht plötzlich Eric hinter uns. Eric ist ein französischer Langstreckenradler der in Toulouse (F) gestartet ist und sich ebenfalls auf dem Weg ans Nordkap befindet. Wir unterhalten uns eine Weile über unsere  Touren, dann radelt Eric weiter und Nicole und ich schauen uns noch den Laksfossen, ein Wasserfall der ca. 16 m in die Tiefe stürzt an.

 

Laksfossen

Auf dem Camping in Mosjoen treffen wir dann wieder auf Eric. Abends essen wir zusammen und unterhalten uns noch lange.

Morgens verabschieden wir uns von Eric und trinken dann in einer Tankstelle Kaffee. Gemütlich radeln wir dann weiter auf der E6 bis wir das Korgenfjell hoch müssen. Jetzt ist Schluss mit gemütlich. Es geht ca. 7 km nach oben. Wir radeln durch spektakuläre Fjelllandschaft.


Auf dem Weg hinauf zum Korgenfjell

Oben angekommen unterhalten wir uns mit österreichischen Bustouristen und nehmen dann die rasante Abfahrt bis nach Korgen. Die E6 führt uns weiter am Ranafjord entlang durch das Industriestädtchen Mo i Rana bis nach Stoforshei. Hier schlagen wir auf einem Camping unser Nachtlager auf.

Am nächsten Morgen prasselt der Regen auf unser Zelt und wir bleiben lange in unseren warmen Schlafsäcken liegen. Nach einiger Zeit der Überwindung packen wir dann unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Weg. Lustlos radeln wir im Regen dahin, als plötzlich von vorne ein schottisches Radlerpärchen auftaucht. Vollbepackt, die schottische Fahne an den Rädern, in kurzen Hosen und gut gelaunt stehen sie vor uns. Wir unterhalten uns lange am Straßenrand und es gelingt ihnen uns aufzumuntern.

Mit neuem Mut radeln wir weiter und müssen dann das Saltfjell hinauf.


Auf dem Weg zum nördlichen Polarkreis, Saltfjell

Wir fahren durch die kilometerlange Einsamkeit, die das Saltfjell kennzeichnet und erreichen dann den nördlichen Polarkreis. Der Regen prasselt in Strömen auf uns nieder und schnell flüchten wir in das Informationszentrum, dass hier einsam in der Landschaft steht.


Nicole und ich am nördlichen Polarkreis (Informationszentrum)

Wir trinken Kaffee und trocknen unsere nassen Sachen. Lange Zeit verweilen wir hier aber der Regen hört nicht auf. Wir entscheiden uns weiter zu radeln und verlassen das Zentrum. Auf der Straße, die über das Hochplateu führt treffen wir auf eine norwegische Bikerin. Sie zieht einen vollbepackten Radanhänger hinter sich her und ist auch auf dem Weg zum Kap. Frei nach dem Motto: "geteiltes Leid ist halbes Leid" schließt sie sich uns an und wir radeln gemeinsam durch Regen, Kälte und Nebel. Sie erzählt uns: "sie ist eine Lehrerin aus Trondheim und hat schon lange den Traum mit dem Rad zum Kap zu fahren". Am Ende des Hochplateus angekommen rauschen wir im Nebel und Regen die Abfahrt nach Storjord hinab. Durchnässt und völlig unterkühlt mieten wir uns eine Hütte, die Norwegerin will noch weiter. Sie ist ganz schön "crazy". Wir machen es uns in der Hütte gemütlich.

Am nächsten Tag radeln wir 7 Stunden im Dauerregen bis nach Fauske. Wir haben die Schnauze gestrichen voll vom Regen. In Fauske verbringen wir die Nacht in einer Hütte und es regnet die ganze Nacht durch.

Morgens überlegen wir uns, ob wir weiterfahren sollen oder nicht. Wir fahren und wie durch ein Wunder hört es auf zu regnen und die Sonne kommt durch. In Bodö warten wir dann auf die Fähre nach Moskenes auf den Lofoten. Das Wetter ist jetzt bestens und nach 4 Stunden Überfahrt kommen wir um 23 Uhr auf  Moskenes, dem südlichsten Zipfel der Lofoten an.


Nach 4 Stunden Überfahrt erreichen wir die Lofoten

Wir glauben in einer Märchenwelt gelandet zu sein, so mystisch ist das hier alles. Die Nacht verbringen wir in unserem Zelt auf Moskenes.

Morgens packen wir dann bei bestem Wetter zusammen. Die Sonne scheint, der Himmel ist wolkenfrei und blau. Es scheint uns, als werden wir jetzt für das belohnt, was wir in den letzten Tagen durchzustehen hatten. Wir radeln auf der E10 durch diese herrliche Traumwelt. Bunte kleine Holzhäuser schmiegen sich an gezackte, grün bewachsene Berge und spiegeln sich in den Fjorden.


Lofoten

Spontan entscheiden wir uns dann auf dem Camping von Ramberg zu bleiben. Wir bauen unser Zelt auf und relaxen an einem Strand in einer herrlichen Bucht.


Bucht von Ramberg, Lofoten

Nachts zeigt sich uns dann die Mitternachtssonne. Ein fantastisches Naturerlebnis, dass man nur hier oben im Norden hat.


Mitternachtssonne auf den Lofoten


Die Rorbuer, einstige Bootshäuser der Lofotenfischer

Die nächsten Tage führt uns die E10 über Kabelvag und Svolvär nach Fiskebot, wo wir die Lofoten verlassen. Die Lofoten sind für mich das Sahnestückchen auf meiner ganzen Tour. Mit der Fähre setzen wir dann über nach Melbu auf den Vesterälen und radeln am Hadselfjord entlang nach Sortland.

Morgens unterhalten wir uns an einer Tankstelle mit einem schweizer Tourenbiker. Er erzählt uns, dass er vom Nordkap kommt und das er durch den gefürchteten Nordkaptunnel von einem Wohnmobil mitgenommen wurde. Dann trinken wir Kaffee und radeln los. Zuerst führt uns die E10 über eine fantastische Brücke. Die Norweger sind einfach die Weltmeister im Brückenbau. Dann müssen wir ca. 2,2 km durch einen Tunnel wo es wieder ziemlich unangenehm zum Radeln ist. Am Ende sind wir wie immer richtig froh heil rauszukommen.  Dann reißt mir der Schaltzug, es ist jetzt schon der dritte auf meiner Tour. Schnell repariere ich den Zug. Wir verlassen die E10 und radeln auf der 830 hinauf nach Harstad.

26.07. - 07.08.04, Harstad - Nordkap, 985 km

Am nächsten Tag verlassen wir Harstad in Richtung Süden und radeln bei bestem Wetter am Vägsfjord entlang.  Dann entscheiden wir uns am Astafjord entlang die 829 zu nehmen. Wir radeln eine Weile am Fjord entlang und müssen dann weg vom Fjord über einen Berg. Die kleine Straße führt uns jetzt viele Kilometer durch einsame Wildnis. Durch Wald und Seenlandschaft geht es immer bergauf und bergab bis wir nach vielen Stunden auf dem Rad einen idyllisch am See gelegenen Camping erreichen. Der Camping liegt mitten in der Einsamkeit und wird von einem schweizer Aussteiger, der mit seiner Frau in einer Holzhütte auf dem Camping wohnt betrieben. Außer uns gibt es hier noch ein paar Fischer. Wir bauen unser Zelt auf einer Anhöhe auf und rudern dann mit einem Paddelboot hinaus auf den See.


Abends auf dem Skodbergvatnet (See)

Lange genießen wir diese herrliche Natur. Als wir dann das Ruderboot anlegen bekommen wir von einem Fischer zwei frisch gefangene Seesaiblinge geschenkt. Später braten wir die Fische vor unserem Zelt, dass auf einer Anhöhe über dem See trohnt und genießen den herrlichen Sonnenuntergang.


Sonnenuntergang von unserem Zelt aus gesehen

Morgens wachen wir auf und  Regen prasselt wieder mal auf unser Zelt. Es kostet uns sehr viel Überwindung aus unseren warmen Schlafsäcken zu kriechen. Wir packen im Zelt unsere Sachen zusammen, ziehen uns unsere Regenklamotten über und bauen unser nasses Zelt ab. Schnell ist alles auf unseren Rädern verstaut und wir rollen los. Wieder geht es viele Kilometer durch einsame Wildnis, bis wir wieder auf die E 10 stoßen. Plötzlich macht es "peng" und mein Hinterreifen ist platt. Mantel und Schlauch sind hinüber. Der Himmel ist bedrohend schwarz und ich muss mich beeilen. Schnell ziehe ich meinen Ersatzmantel auf  und als ich fertig bin ergießt sich der Himmel über uns. Als wir dann das kleine Städtchen Bjerkvik erreichen sind wir tropfnass. In einem Einkaufcenter trinken wir Kaffee und trocknen unsere Sachen. Der Regen lässt nicht nach und wir entscheiden uns weiter zu radeln. Auf dem Parkplatz frage ich einen Norweger nach dem Weg und er antwortet mir: "Nordkap with the bike? jesus christ". Wieder auf dem Rad müssen wir ca. 10 km nur hoch. Der Himmel ist dunkel und der Regen prasselt unaufhörlich auf uns nieder. Wir sind beide von außen nass und von innen total verschwitzt. Ich fluche was das Zeug hält, Nicole hält sich ziemlich wacker. Plötzlich entdecken wir mitten in den Bergen einen Camping. Unsere Rettung. Wir mieten uns hier eine kleine Holzhütte.

Die nächsten Tage radeln wir durch eine eindrucksvolle Landschaft, die geprägt wird von gezackten Felsen und ursprünglichen Dörfern. Wir schauen uns den gewaltigen Maselvfossen an und verbringen ganz in der Nähe des Wasserfalls eine Nacht im Zelt.


Maselvfossen

Über die E6 erreichen wir schließlich Nordkjosbotn. Das Städtchen liegt malerisch in Berge eingebettet am Balsfjord. Abends liegen wir vor unserem Zelt in der Sonne und genießen den Blick auf die Berge.

Morgens bleiben wir lange liegen und frühstücken dann gemütlich in unserem Zelt. Nach dem Frühstück packen wir zusammen und verlassen Nordkjosbotn in Richtung Tromsö. Heute ist der letzte Radltag von Nicole und es ist ein herrlicher Tag. Bald haben wir Tromsö, "die arktische Stadt" erreicht.


Tromsöbrua (Brücke) mit der Eismeerkathedrale

Wir fragen uns zum Camping durch, der im Stadtteil Tromsdalen auf dem Festland liegt. Hier bauen wir unser Zelt auf einem gemütlichen Platz an einem Bächlein auf. Nicole´s Flug in die Heimat geht erst in 3 Tagen und so werden wir die nächsten Tage in Tromsö verbringen.


Eismeerkathedrale

Am nächsten Tag machen wir uns zu Fuß auf in die City, die auf der Insel Tromsöa liegt. Wir schauen uns die Eismeerkathedrale mit dem größten  Glasmosaikfenster Europas an und laufen dann auf der ca. 1036m langen und ca. 38m hohen Tromsöbrua, die den Stadtteil Tromsdalen auf dem Festland mit der eigentlichen City auf der Insel Tromsöa verbindet hinüber in die Stadt. Wir suchen die Touristinformation auf und informieren uns über die Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Plötzlich tippt mir von hinten jemand auf die Schulter und als ich mich umdrehe steht Eric, der französische Tourenbiker hinter mir. Wir freuen uns herzlich über unser Aufeinandertreffen und Eric erzählt uns, dass er schon am Kap war und jetzt einige Tage in Tromsö verweilt bis sein Flug zurück nach Frankreich geht. Dann verabschieden wir uns und verabreden uns für die nächsten Tage.


Nicole und ich in der Touristinformation

Am nächsten Tag treffen wir uns mit Eric in der Stadt. Nach einem Kaffee entscheiden wir uns das Polaria zu besuchen, ein Erlebnisszentrum welches über die Polarregion und über die Barentssee informiert, sehr interessant.


Eric und ich vor dem Polaria

Danach besuchen wir noch das Polarmuseum, welches den beiden berühmten Polarforschern Fridjof Nansen und Roald Amundsen gewidmet ist. Wir sind davon fasziniert, was die beiden Pioniere geleistet haben, absolut interessant und sehenswert.


Büste von Amundsen vor dem Polarmuseeum

Als wir das Polarmuseum verlassen ist es spät geworden. Wir verabschieden uns von Eric und schlendern über die Brücke zurück auf den Campingplatz. Hier kochen wir uns etwas in der Küche (in Skandinavien ist es auf Campingplätzen üblich, dass es ein Aufenthaltsraum mit Küche gibt) und lernen dabei Sebastian aus Freiburg kennen. Sebastian ist alleine mit dem Rucksack unterwegs und froh, dass er endlich jemanden zum Reden hat.

Am nächsten Morgen packen wir alles zusammen und radeln über die Brücke in die Stadt. Ich kaufe mir einen neuen Ersatzmantel für mein Rad, sicher ist sicher. Dann machen wir uns auf zur Jugendherberge. Da Nicole morgen in der Frühe heimfliegt und die Juhe nahe am Flughafen liegt hat uns Eric, der schon einige Zeit dort nächtigt, ein Zimmer reserviert. Wir bringen unsere Sachen aufs Zimmer und gehen mit Eric einkaufen. Am Abend zaubern wir uns zum Abschied ein Festmahl. Nach dem Essen reden wir noch lange mit Eric und verabschieden uns dann endgültig von ihm.


Nicole und ich in der JuHe (Tromsö)

Am nächsten Morgen müssen wir früh um 5 Uhr aus den Federn. Schnell packen wir unsere Sachen aufs Rad und machen uns auf  den Weg. Es ist nebelig, man kann seine eigene Hand vor den Augen nicht erkennen. Als wir nach ca. 1km endlich den Flughafen erreichen schrauben wir Nicoles Rad auseinander, trinken Kaffee und verabschieden uns dann voneinander. "In ca. 6 Wochen werde ich auch daheim sein", sage ich noch zu Nicole bevor sie im Check inn verschwindet. Draußen warte ich noch bis das Flugzeug abhebt und im dichten Nebel verschwindet.

Ein bisschen wehmütig radle ich dann im dichten Nebel zurück in die Stadt. Es ist jetzt gegen 6 Uhr und ich stehe in einem Caffee, esse ein Baguette und trinke einen Cappuccino. Ich beobachte wie die Stadt langsam erwacht, Leute verlassen noch ziemlich verschlafen ihre Häuser und huschen durch den Nebel zur Arbeit.  Dann mache ich mich auf den Weg und radle im dichten Nebel über die Tromsöbrua aus der Stadt. Ich radle ein Stück auf der E 08 Richtung Süden. Der Nebel ist so dicht, ich habe keine 10 Meter Sicht. Nach ca. 20 km verlasse ich die         die E 08 und biege links ab auf die 91. Schlagartig hört hier der Nebel auf und ich radle bei strahlendem Sonnenschein dahin.

Später, als ich mit einem Schiff den Lyngenfjord überquere bietet sich mir das gleiche Schauspiel, eine grosse gespenstische Nebelbank liegt vor uns auf dem Fjord, wie eine riesige Wand türmt sie sich vor uns auf. Schlagartig wird unser Schiff vom Nebel verschluckt und man kann keinen Meter weit mehr sehen. Gespenstisch.


nicht mehr weit bis zum Kapp



am Nordkapp






unterwegs auf der Eismeerstrasse (Finnland)



Nachtlager in Lappland (Finnland)


BITTE NOCH UM EIN WENIG GEDULD, WERDE DEN BERICHT BALD ERGÄNZEN
 
DANKE FÜR IHR  INTERESSE
 

 
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